Zwei Strafschläge für DeChambeau: So funktioniert Regel 8.1

Golfer im dichten, hohen Rough neben einem Linksplatz-Fairway am Meer bewegt seinen Schläger durch das Gras hinter dem Ball, im Abendlicht.

Bryson DeChambeau glaubte am Freitag, dem 17. Juli 2026, bei der Open in Royal Birkdale eine Toprunde gespielt zu haben. Mit Birdies auf seinen letzten beiden Löchern schien er eine 66 ins Ziel zu bringen, gut für sieben unter Par und nur einen Schlag hinter Leader Lucas Herbert. In der Scoring Area änderte sich alles: Die R&A verhängte zwei Strafschläge wegen eines Verstoßes gegen Regel 8.1, das Verbessern der Bedingungen, die den Schlag beeinflussen. Aus seinem Bogey an Loch 5 wurde ein Triple-Bogey, aus seiner 66 eine 68, und statt bei sieben unter Par startete er mit fünf unter Par ins Wochenende, drei Schläge hinter der Spitze.

Die Strafe für DeChambeau ist mehr als eine saftige Profi-Story. Die Regel, die ihn traf, gilt ganz genauso in deiner Samstagsrunde. Wer seinen Ball im hohen Gras findet und sich dort etwas zu eifrig ein Plätzchen zurechtlegt, verstößt gegen dieselbe Regel. Darum lohnt es sich zu verstehen, was passiert ist, und vor allem warum.

Ein Bogey, das zum Triple-Bogey wurde

Loch 5 von Royal Birkdale ist ein kurzes Par 4, nach der Open 2017 neu gestaltet, um Spieler zu verführen, das Grün vom Abschlag aus anzugreifen. DeChambeau, unterwegs in einer Gruppe mit Scottie Scheffler und Tyrrell Hatton, griff an, doch sein Drive segelte weit nach rechts ins lange Gras. Aus Angst, der Ball sei verloren, schlug er einen provisorischen Ball. Der ursprüngliche Ball wurde dann doch gefunden, tief im Heidekraut.

Dann kam der Moment, um den sich alles dreht. TV-Bilder zeigten, wie DeChambeau mehrfach um seinen Ball herum und hinter ihn trat und seinen Schläger durch das hohe Gras hinter dem Ball bewegte. Danach schlug er seinen zweiten Schlag über das Grün, chippte zurück und machte mit zwei Putts ein Bogey 5. Nach Auffassung der R&A hatte er mit dem Herumtreten und Schwingen den Bereich seines beabsichtigten Schwungs verbessert, berichtete Golf Digest.

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Why Bryson DeChambeau was penalized two strokes at The Open Championship | NBC Sports

Zwanzig Minuten Diskussion an Loch 5

DeChambeau erfuhr erst nach seiner Runde von dem Problem, als Chief Referee Grant Moir und weitere R&A-Offizielle ihn in der Scoring Area erwarteten. Auf DeChambeaus Wunsch fuhr die Gruppe in Golfcarts zurück zu Loch 5, wo er zusammen mit Caddie Gregory Bodine mindestens zwanzig Minuten lang seinen Fall vertrat. Die Kameras hielten eine hitzige Diskussion von über acht Minuten fest. Es half nichts: Die Strafe blieb bestehen.

Bemerkenswert: Die R&A erkannte an, dass DeChambeau nichts absichtlich getan hatte. "I would reiterate this rule applies even when there's no intention to improve the area, as was the case with Bryson", sagte Moir. Die Regel gilt also auch dann, wenn keinerlei Absicht besteht, den Bereich zu verbessern. Gut eine Stunde nach seiner Runde unterschrieb DeChambeau seine Scorekarte mit einer 7 an Loch 5. Er schlug bis nach Sonnenuntergang Bälle auf der Driving Range und sprach an diesem Abend nicht mit der Presse.

Was genau sagt Regel 8.1?

Der Ausgangspunkt von Regel 8 ist eines der ältesten Prinzipien im Golf: Spiele den Platz, wie du ihn vorfindest. Regel 8.1 schützt darum vier Dinge, die du vor deinem nächsten Schlag nicht verbessern darfst:

Auch der Erleichterungsbereich, in dem du einen Ball droppst oder hinlegst, fällt unter die Regel. Verboten ist unter anderem das Bewegen, Biegen oder Abbrechen wachsender oder festsitzender natürlicher Objekte sowie das Andrücken von Boden oder Gras. Verstößt du dagegen, folgt die Grundstrafe: zwei Strafschläge im Zählspiel, Lochverlust im Lochspiel.

Vieles ist aber auch erlaubt. Lose hindernde Naturstoffe wie Blätter und Zweige darfst du einfach wegräumen, und du darfst auf faire Weise deinen Stand einnehmen. Dabei gilt allerdings eine wichtige Grenze, die Moir in seiner Erklärung betonte: Der Spieler "must take the least intrusive course of action to deal with the particular situation and is not entitled to a normal stance or swing". Er muss also den am wenigsten eingreifenden Weg wählen und hat kein Anrecht auf einen normalen Stand oder Schwung. Genau da lief es für DeChambeau schief. Die zusätzlichen Schritte und das Bewegen des Schlägers durch das Gras hinter dem Ball gingen über das hinaus, was nötig war, um an den Ball zu kommen und Stellung zu beziehen.

Hart, aber vertretbar

War die Strafe berechtigt? Golf Digest nannte die Entscheidung in einer pointierten Analyse unglaublich hart für den einzelnen Spieler, aber richtig. Das subtile Verbessern einer Lage ist auf den Profitouren zur schleichenden Gewohnheit geworden: kurz den Schlägerkopf im Gras hinter dem Ball abstellen, ein Schritt näher heran als nötig. Kaum jemand wird darauf angesprochen. Indem sie ausgerechnet einen Mitfavoriten bei einem Major bestrafte, zog die R&A eine klare Linie: Die Regel schützt das gesamte Feld, und auf Absicht kommt es nicht an.

Für DeChambeau fühlte es sich zweifellos wie Willkür an, gerade weil mehrere Kameras auf ihn gerichtet waren, während andere unbeobachtet bleiben. Aber das ist eher ein Argument dafür, die Regel öfter durchzusetzen, als diese Strafe zu streichen.

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Was das für deine Runde bedeutet

Die Open gewann am Ende Ryan Fox, mit einem Schlag Vorsprung auf Cameron Young. So ein knapper Abstand unterstreicht, wie schwer zwei Strafschläge wiegen können. Drei praktische Lehren, damit du nicht in dieselbe Falle tappst:

  1. Liegt dein Ball im hohen Gras? Dann geh auf dem am wenigsten eingreifenden Weg hin und stapfe nicht um den Ball herum. Du darfst fest stehen, aber du hast kein Anrecht auf eine freie Schwungbahn.
  2. Mach Probeschwünge weit weg vom Ball und zieh deinen Schläger nie durch das Gras direkt hinter dem Ball. Den Schläger leicht aufsetzen ist erlaubt, andrücken nicht.
  3. Bist du auf dem Platz unsicher, ob etwas erlaubt ist? Dann wisse, wie du eine Regelfrage klärst: Spiel im Zählspiel notfalls einen zweiten Ball und leg die Situation hinterher der Spielleitung vor.

Wer den Platz so spielt, wie er ihn vorfindet, hat von Regel 8.1 nichts zu befürchten. Das ist die ganze Lektion von Birkdale, und du bekommst sie gratis: DeChambeau hat zwei Schläge dafür bezahlt.

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